Empfehlungen

Empfehlungen

der Arbeitsgemeinschaft „Philosophie und Ethik in der Schule“ der Deutschen Gesellschaft für Philosophie zur Fachdidaktik Philosophie und Ethik in den Studiengängen Bachelor und Master für das Lehramt

1. Polyvalenz der Studiengänge

Die Studiengänge BA Philosophie und BA Philosophie und Ethik für das Lehramt sollen so weit wie möglich gleiche Module enthalten, die in denselben Lehrveranstaltungen vermittelt werden. Der Vorteil besteht in der Durchlässigkeit der Studiengänge und in der Flexibilität bei der Berufswahl. Außerdem gewinnt die wissenschaftliche Qualität der Ausbildung, wenn die Studierenden beider Richtungen gemeinsame Lehrveranstaltungen besuchen.

2. Spezielle Module zur Berufsqualifikation

Innerhalb der BA-Studiengänge sollen spezielle Module eingefügt werden, die der Berufsqualifikation dienen. Dabei trägt die Fachdidaktik Philosophie und Ethik elementare Vermittlungskompetenzen bei. Für das Lehramt sind Kompetenzen wünschenswert, die im Schulunterricht gebraucht werden: philosophische Inhalte von allgemeinem bzw. exemplarischem Interesse zu erschließen, fachspezifische Methoden (wie Texthermeneutik und Argumentation), Diskursfähigkeit (sprachlich angemessene Bearbeitung theoretischer und praktischer Probleme) sowie die Reflexion auf die individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen potentieller Adressaten philosophischer Lehrangebote (Stufen der Urteilsbildung, Präsentationstechniken). Derartige Kompetenzen sind auch für Studierende hilfreich, die in anderen Berufsfeldern arbeiten wollen.

3. Fachdidaktik zur Vermittlung von philosophischem Wissen und Unterrichtspraxis

In den Studiengängen MA für das Lehramt soll die Fachdidaktik Philosophie und Ethik die Vermittlung von philosophischem Wissen mit der Unterrichtspraxis im Rahmen der Institution Schule leisten. Es besteht die Gefahr, dass die Aufbauphase von den Erziehungswissenschaften dominiert und damit vom Fach abgekoppelt wird. Gerade in der Berufsausbildung müssen weiterhin fachspezifische Inhalte und Methoden erarbeitet werden, die für den Unterricht relevant sind. Im Rahmen des universitären Studiums besteht die Aufgabe darin, bildungstheoretische Grundlagen und die Fähigkeit zur Reflexion von Unterricht zu vermitteln. Praktika und Schulpraktische Übungen beschränken sich auf erste Unterrichtsversuche und deren Auswertung, insbesondere im Hinblick auf die Bildungsaufgaben der Fächer. Hierfür erwartet die Fachdidaktik Unterstützung durch spezifisch erziehungswissenschaftliche Anteile wie Allgemeine Didaktik oder Lern- und Entwicklungspsychologie.

4. Spezielle Seminarformen zur Integration von Fach und Didaktik

Für die fachdidaktischen Anteile sollen spezielle Seminarformen eingeführt werden, in denen Problemstellungen, Denkansätze und Lösungsmuster, die Philosophie bzw. Ethik bereithalten, mit den Voraussetzungen und dem Denkhorizont der zu unterrichtenden Schüler/innen in Verbindung gebracht werden. Zwar helfen philosophische Kenntnisse wenig, wenn man sich den Schüler/innen nicht verständlich machen kann. Aber die Fachdidaktik bleibt inhaltsleer, wenn die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen fehlen. Es bedarf daher einer Integration von Fach und Didaktik in dafür konzipierten Lehrveranstaltungen.

5. Neue Aufgaben für die Fachdidaktik

Im Zuge der BA/MA-Studiengänge für das Lehramt ist auch die Aufgabe der Fachdidaktik Philosophie und Ethik und die Rolle des/r Fachdidaktikers/in neu zu bestimmen. Die Erfahrung zeigt, dass die angehenden Lehrer/innen häufig nicht hinreichend über schulrelevantes Fachwissen verfügen oder über Fähigkeiten, sich dieses Wissen selbstständig anzueignen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die konsekutiven Studiengänge auf diese Kompetenz auswirken werden. Die Fachdidaktik stellt den institutionellen Rahmen, in dem Vermittler zwischen wissenschaftlicher Disziplin und schulischem Unterricht lehrend und forschend tätig werden. Um eine quantitative wie qualitative Professionalisierung der Fachdidaktik in Zukunft zu gewährleisten, ist die Ausbildung und Einstellung kompetenter Fachdidaktiker/innen dringend erforderlich.

10. Mai 2004